Der 23. Slam in Moers ließ eine ganze Stadt stillstehen. Das Zentrum war gesperrt, weil ein freilaufender Koffer am Moerser Bahnhof zur Strecke gebracht werden musste. Die neue Slam-Location, das Bollwerk107, liegt direkt hinter dem Bahnhof und fiel in eine mehrstündige Agonie.
Spezialkräfte des Kampfmittelräumdienstes entschärften ein Wurstbrot und zeigten sich erleichtert, dass man nochmal davon gekommen war: " Das Ding hatte einen fünfundvierzigprozentigen Fettanteil, wenn das Teil hochgegangen wäre, sähe es in Moers anders aus." Klarer Fall einer dreckigen Bombe. (Steckten die Krefelder Kollegen dahinter?)
So gelangte man am Ende zwar deutlich verspätet zum Slam, obendrein mit dem telefonisch erarbeiteten Wissen, das Torsten "Godot" Sträter trotz immenser Ankündigungen unsererseits nicht in die liebliche Grafenstadt kommen würde.
Das neue Gebäude wurde schnell in Beschlag genommen, Volker Busold hatte schon im Vorfeld für den guten Ton und ein ungemein anheimelndes Licht gesorgt. Mit einer knappen Dreiviertelstunde Verspätung (nicht wirklich ungewöhnlich) begann der erste Slam im Spiegelsaal des Bollwerk107. Hätten sich schon Spiegel an den Wänden befunden, hätte sich auch gewiss ein Saalgefühl eingestellt. So war der Raum vor allem eines: Urgemütlich!

In besten Laune traten sie an:
Sevi, mit aussagekräftigen Texten wie "Mann, ist mein Leben im Arsch", einer Liebeserklärung an Sushi und einem mundartlichem Text, immerhin stammt er aus Linz.
Sushi da Slamfish (Düsseldorf) erzählte von seinen Erlebnisreisen mit der Bahn und slammte zum Thema Slam.
Laura Reichel (Dortmund) wies zunächst darauf hin, das Torsten "Gone-with-the-Wind" Straeter keineswegs aus ihrer Heimatstadt stamme, sondern bloß aus Waltrop käme. (Da geht ja öfters einer verschütt) Sie trug entsprechend trauriges ("selbst Schuld") vor und beschrieb ihre Erfahrungen als Einzelkind beim Versuch eine Spinne aus der Dusche zu vertreiben. Ebenso aus der Fauna stammt die kleine Ode "Flieg nicht, kleine Fliege". Loslassen ist eben schwer.
Claas Neumann (Hintertupfingen) trug neue Texte vor ("Danke für euren Rat, Kollegen", "Worte prasseln etc. etc. etc."), desweiteren zwei Teile eines dreiteiligen Gedichtes und anderes.
Sie weiss, warum sie bei Slams nicht gewinnt und teilte uns ihre Erkenntnis mit. Jessica Lehmann (Moers) trug "was total ernstes und was mit Tieren" vor, machte Denglisch zum Thema und hatte am Ende noch "was fürs Herz".
All dies vor einem gutgelauten, den Raum füllenden Publikum, welches sich dem kalauernden Mike Reusch ausgesetzt sah. Der Moderator der Herzen trug dafür Sorge, dass auch der abwesende Torsten "Kollege-kommt-gleich" Straeter in den Köpfen präsent blieb und sei es durch die Verleihung von Kosenamen aus der bunten Welt der Tiere und Körperteile.
Jessica und Laura in vorfreudiger Erregung, Claas in seeligem Glück.
Sevi gewann übrigens und gab sich erstaunt über die Ausdauer des Publikums, welches sich für die Longplay-Versionen seiner Zugaben entschied. Da gabs aber nix zu wundern, waren halt tolle Texte.
Spaß hatten alle und waren sich einig: Geiler Abend. Hätte nicht besser werden können ("STRAETER!!! ARRRGG!)
Ob der nächste Slam am Vorabend der deutschsprachigen Meisterschaften (siehe unbedingt www.slam2009.de) stattfinden wird ist noch ungewiss, da wir bis jetzt erst eine Anmeldung haben und unter drei Poeten nicht unbedingt antreten möchten. Stay tuned...
(mr)
Achja: Fotos von Volker "Fullservice" Busold. Thx!